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Donnerstag, 02.06.2005

Aktion Psychisch Kranke e. V.

Allgemeine Informationen für Angehörige von psychisch Kranken bietet die Website der Aktion Psychisch Kranke e. V. Es gibt hier auch einen Download-Bereich mit Broschüren und sonstigen Materialien. Die Seite ist nicht speziell auf Angststörungen zugeschnitten, liefert aber grundsätzlich eInformationen - zum Beispiel über Therapien und was Angehörige leisten und auch nicht leisten können.

Freitag, 22.04.2005

Agoraphobie und Panikattacken - Was genau ist das?

Die wichtigsten Infos zur Symptomatik der Agoraphobie, zum "Teufelskreis der Angst" und zu Hilfsmöglichkeiten beschreibt Judith Fontaine in ihrem in der Deutschen Angst-Zeitschrift (daz - Ausgabe 4) erschienenen Artikel. Den Artikel finden Sie auch im Internet unter:
http://www.paniker.de/frame_r3_2.htm

Wer's noch genauer wissen will, kann sich auch die zugehörige Zeitschrift kaufen:
http://www.angst-zeitschrift.de/

Ich kenne die Zeitschrift nicht, kann also keine Empfehlungen abgeben. Vom Inhaltsverzeichnis her macht sie zumindest einen recht umfassenden Eindruck.

Donnerstag, 21.04.2005

Christoph-Dornier-Stiftung

Ein Erfahrungsbericht aus Angehörigen-Sicht

Mein Mann, der seit ca. 20 Jahren an Panikattacken und infolge dessen an einer Agoraphobie leidet, hat dieses Jahr eine Konfrontationstherapie bei der Christoph-Dornier-Stiftung gemacht. Die Erfahrungen mit diesem Therapie-Angebot sind eher zwiespältig. Als Angehörige und damit nur indirekt Betroffene sehe ich die Arbeit der Stiftung sicherlich kritischer als er. Im Folgenden beschreibe ich die Therapie aus meiner Sicht und wie ich sie aus seinen Erzählungen erlebt habe. Bei den Sitzungen war ich nicht dabei.

Die Christoph-Dornier-Stiftung bietet Konfrontationstherapien für Agoraphobie-Patienten an. Die Konfrontationstherapie ist eine Art "Holzhammer-Methode": Der Patient muss seine größten Ängste benennen und sich dann genau diesen Situationen aussetzen.

Gut daran ist, dass die Stiftung ihre Therapeuten auch zum Patienten schickt und von dessen zu Hause mit der Therapie beginnt.

Am Anfang stand ein ein- bis zweistündiges Gespräch, in dem die Therapeutin erklärte, wie die Therapie funktioniert. Nach diesem Gespräch musste sich mein Mann entscheiden, ob er die Therapie machen will. Er stimmte zu, ein Formular wurde ausgefüllt und eine Anzahlung von 1000 Euro wurde vereinbart, die noch vor dem eigentlichen Therapie-Beginn - sprich dem Aussetzen in angstbesetzte Situationen - überwiesen werden musste.

Nach der Einwilligung ging das Gespräch gleich weiter. Am ersten Tag wurde der Lebensweg von der Kindheit bis jetzt besprochen und eine Lebenslinie gezeichnet. Diese erste Sitzung dauerte etwa sieben Stunden. Abgerechnet wird bei der Stiftung zum Stundensatz, dazu kommen die Anfahrtskosten für die Therapeutin von 17 Euro.

Der nächste Termin folgte zwei Tage später, dauerte vielleicht noch einmal acht Stunden. Für diese Sitzung musste mein Mann als Vorbereitung seine größten Ängste auf Karteikarten schreiben. Auch was gegen die Ängste bisher geholfen hat, musste er nennen. Die Karteikarten bekam dann die Therapeutin, um daraus einen Übungsablauf zu entwickeln.

Die beiden Gesprächstermine vor dem eigentlichen Üben versteht die Christoph-Dornier-Stiftung als kognitive Vorbereitung auf die Angstsituation. Dieser Anspruch ist - aus meiner Sicht - etwas übertrieben. Wer jahrelang mit Ängsten zu kämpfen hat, wird in zwei Intensivsitzungen nicht unbedingt ein vollkommen neues Bewusstsein erlangen, dass ihm die Bewältigung seiner Angstsituationen erleichtert.

Wie auch immer, zu dieser "kognitiven Vorbereitung" gehörte zum Beispiel das Aufzeichnen einer Angst-Spirale mit Ursache, Wirkung und Gedanken. Das dürfte nur für Patienten etwas Neues sein, die sich noch nie einer Therapie zur Behandlung ihrer Ängste unterzogen haben.

Im Grunde kann man sagen, dass es keine gründliche kognitive Vorbereitung gibt. Handelt es sich um spezifische Phobien - zum Beispiel Angst vor Hunden, Spinnen, nur vor dem U-Bahnfahren - mag das ausreichen. Wer jedoch unter einer Agoraphobie leidet, die sich über mehrere - wenn nicht fast alle Lebensbereiche - erstreckt, sei jedoch gewarnt. Denn mit zwei Gesprächsterminen ist das Problem im Kopf noch lange nicht gelöst.

Nicht zu empfehlen ist diese Konfrontations-Blocktherapie, wenn jemand noch keine Therapie gemacht hat. Der Patient braucht - weil die theoretische Vorbereitung auf die Angstsituationen nur sehr knapp ist - Therapieerfahrung, um überhaupt annähernd zu begreifen, worauf er sich einlässt.

Die dritte Sitzung war dann eine Übungssitzung. Bevor es losging, setzte sich die Therapeutin noch einmal kurz mit meinem Mann zusammen (20 bis 30 Minuten) und besprach die geplante Übung.

Begonnen wird mit der größten Angst. Wahrscheinlich steckt die Theorie dahinter: Wenn der Patient das schafft, werden ihm alle anderen Aufgaben leichter fallen.
Die Übungstermine dauern in der Regel 6 Stunden. Hilfsmittel, die dem Patienten Sicherheit geben - zum Beispiel Handy, Pillen oder sonstige Ablenkungen - sind dabei nicht erlaubt. Im Prinzip soll der Patient lernen, durch die Angst "durchzugehen" - sie aufkommen zu lassen, auszuhalten und abklingen zu lassen, ohne das Abklingen zum Beispiel mit beruhigenden Gedanken zu forcieren.

Klappt alles wie geplant, wird ein bis zwei Wochen in vivo geübt und danach sind die Ängste weg - oder zumindest zu bewältigen. Das Ganze kostet je nach Dauer 4000 bis 6000 Euro.

Häufiger als die Christoph-Dornier-Stiftung vielleicht zugeben mag, kommt es jedoch zu Therapie-Abbrüchen. Auch bei meinem Mann war das leider so. Das war umso enttäuschender für ihn, da er sich nach den beiden vorbereitenden Gesprächen eine schnelle "Heilung" versprochen hatte, wenn er nur alles richtig macht.

Den ersten Übungstag beschrieb er als "vollkommene Überforderung". Die Angstintensität wird bei den Übungen von 0 bis 10 klassifiziert. Er erlebte in diesen ersten 6 Stunden - U-Bahn-Fahren, alleine im Café sitzen usw. - mehrmals eine Angst von 10 bis hin zum vollkommenen Zusammenbruch. Er war zwar schon am ersten Tag völlig fertig, wollte aber auf keinen Fall die Konfrontationstherapie abbrechen.

Am nächsten Tag war von der Therapeutin erneut U-Bahn-Fahren angesetzt. Mein Mann weigerte sich jedoch und sie einigten sich nach etwa drei Stunden Vorgespräch, so weit von uns zu Hause aus zu Fuß zu gehen, wie es geht. Auch hier endete der "Ausflug" an der weitesten Stelle mit einem Zusammenbruch meines Mannes.

Am dritten Tag wollte mein Mann gar nicht mehr üben. Stattdessen fand bei uns zu Hause ein Gesprächstermin statt. Am vierten und fünften Tag ging es dann noch einmal mit dem Auto - er fuhr - los, einmal vier Stunden, einmal drei Stunden, Zusammenbruch inklusive. Das war die letzte Übung.

Aufgrund des Verhaltens meines Mannes kam die Therapeutin zu dem Schluss, dass es ein tiefer liegendes Problem geben muss, weshalb die Ängste mit der Konfrontationstherapie nicht zu lösen sind. Schnell war auch ein tiefer liegendes Problem gefunden, an dem dann noch eineinhalb Wochen in ausschließlichen Gesprächsterminen bei uns zu Hause gearbeitet wurde.

Insgesamt kostete die Therapie über 5000 Euro, hat meinem Mann auch einige interessante Erkenntnisse gebracht. Auch lernte er neue Techniken, um Angstsituationen zu bewältigen. Der Bewegungsradius und die Bewältigung der Ängste haben sich jedoch überhaupt nicht durch die Konfrontationstherapie geändert.

Er wurde aus der Therapie mit einer Empfehlung entlassen, eine tiefenspsychologisch fundierte Therapie und eine Verhaltenstherapie zu machen. Eine Behandlung der Angst allein wurde für nicht ausreichend gehalten.

Zwar mag das alles richtig sein, nur bleibt das Gefühl, dass die Empfehlung einer tiefenpsychologischen Therapie wegen tiefer liegender Probleme die allgemeine Notbremse der Therapeuten von der Christoph-Dornier-Stiftung zu sein scheint.

Man könnte nämlich so argumentieren: Lässt sich einem Agoraphobiker mit einer Konfrontationstherapie nicht helfen, besteht ein tiefer liegendes Problem. Dieses Problem kann eine reine Verhaltenstherapie jedoch nicht lösen. Insofern ist es einfach die falsche Therapie für das Problem - aber das konnte man zu Anfang ja nicht wissen.

Ärgerlich ist, dass die Therapie trotz Einstellung der Übungen nach einer Woche noch weitere zehn Tage fortgesetzt wurde, die jetzt - mit Abstand betrachtet - eigentlich nichts gebracht haben als eine höhere Rechnung für die Christoph-Dornier-Stiftung.

Natürlich freute sich mein Mann, dass die Therapeutin fast täglich bei ihm vorbei kam und sich Zeit für ihn und sein Problem nahm. Die Therapie wurde dann nach Überschreitung der 5000-Euro-Marke von der Therapeutin beendet und mein Mann war nachher soweit wie vorher, was die Angstbewältigung betraf. Dazu hatte er jetzt ein tiefer liegendes Problem, das er lösen musste, mit dem man ihn aber eigentlich allein ließ.

Zum Glück gehört mein Mann nicht zu den Menschen, die leicht aufgeben. Nach einer Woche vollkommenem Derangement begann er mit der Suche nach einem Therapeuten, führte mehrere Vorgespräche und scheint jetzt eine Therapeutin in der Nähe gefunden zu haben.

Dennoch bleiben Zweifel an den Methoden der Christoph-Dornier-Stiftung. Es wäre ehrlicher gewesen, die Therapie nach dem Scheitern der Übungen abzubrechen, statt hier noch einen größeren Betrag durch reine Gespräche aus dem Patienten "herauszumelken". Denn das Besondere an der Stiftung ist ja gerade das In-Vivo-Üben; Gesprächs- und Verhaltenstherapien im stillen Kämmerlein findet man an jeder Ecke.

Donnerstag, 24.03.2005

Tipps für Angehörige I

Die folgenden Ratschläge für Angehörige von Angstpatienten stammen von der Website von Dr.Hans Morschitzky und wurden leicht abgeändert.*

Analysieren Sie, ob Sie vielleicht die Angstsymptomatik Ihres Partners verstärken:
1. Überlegen Sie, ob Sie bislang in irgendeiner Form bewusst und/oder unbewusst die Angstsymptomatik Ihres Partners unterstützt haben.

2. Haben Sie sich den angstbedingten Wünschen Ihres Partners gefügt, um Streit zu vermeiden (z.B. keine Ausflüge allein machen, weil der Partner aus Angst nicht allein zu Hause bleiben möchte)?

3. Haben Sie gelernt, die Ängste Ihres Partners als unveränderlich hinzunehmen und damit eine neue Lebensaufgabe zu entwickeln, für sie da zu sein?

4. Haben Sie irgendein Interesse daran, dass Ihr Partner nicht zu selbständig wird, wenn er alle seine Ängste verliert?

5. Haben Sie selbst Ängste, die den Ängsten Ihres Partners ähnlich sind?

6. Haben Sie früher Ängste gehabt, die Sie vielleicht dadurch verloren haben, dass Sie durch die Beziehung zu einem ebenfalls eher ängstlichen Partner an Stärke gewinnen konnten?

7. Haben Sie Probleme, Dinge ohne Ihren Partner zu tun? Machen Sie Ausflüge und bestimmte Aktivitäten auch allein, wenn Ihr Partner wegen seiner Ängste nicht daran teilnehmen möchte? Können Sie sich zu Hause ohne Partner wohlfühlen?

8. Wären Sie bereit, auf Wunsch Ihres Partners oder eines Psychotherapeuten an einer Therapie teilzunehmen, oder legen Sie großen Wert darauf, dass Ihr Partner eine rein individuelle Störung hat, die nichts mit Ihrer Beziehung zu tun hat?

Fragen Sie sich, was sich ändern würde, wenn Ihr Partner keine Ängste mehr hätte:

1. Welche Folgen hätte es für Sie, wenn Ihr Partner keine Ängste mehr hätte?
2. Welche Auswirkungen hätte eine Angstfreiheit Ihres Partners für die Beziehung?
3. Was würde sich vielleicht hinsichtlich der ganzen Lebensgestaltung ändern (z.B. andere Arbeit, mehr soziale Aktivitäten)?
4. Angenommen, Ihr jetzt nicht berufstätiger Partner möchte nach der Überwindung der Angststörung (wieder) berufstätig werden, wie stehen Sie dazu?
5. Stellen Sie sich vor, Ihr Partner wäre bereits in drei Wochen frei von allen lebenseinengenden Ängsten, was würde dies für Ihre Beziehung bedeuten? Was wäre endlich möglich? Welche Konflikte und Gefahren könnten drohen?

Unterstützen Sie das Angstbewältigungstraining Ihres Partners

1. Sagen Sie Ihrem Partner von Anfang an klar und bestimmt, dass Sie unbedingt eine Beseitigung seiner Ängste wünschen, zumindest soweit Sie selbst dadurch betroffen sind. Lassen Sie ihn jedoch die Art der Angstbewältigung selbst auswählen: eigenständig mit Hilfe von Selbstbehandlungsliteratur - gemeinsam mit Ihnen - Psychotherapie allein oder mit Ihnen.

2. Anerkennen und loben Sie jedes eigenständige Bemühen Ihres Partners, mit angstmachenden Situationen umzugehen.

3. Übergehen Sie geduldig die klagenden und deprimierten Äußerungen Ihres Partners, statt sie durch übermäßige Beachtung und Zuwendung zu verstärken.

4. Unterstützen Sie ein Angstbewältigungstraining durch möglichst attraktive Ziele, wo Ihr Partner auf jeden Fall gerne hingehen würde, wenn er sich nur irgendwie dazu überwinden könnte.

5. Planen Sie in einem bestimmten zeitlichen Abstand Urlaubsreisen, die Ihr Partner auch gerne mitmachen würde, derzeit aus Angst vor dem Fliegen, der weiten Entfernung u.a. jedoch nicht zu unternehmen wagt.

6. Übernehmen Sie keine Aufgabe, die Ihr Partner bereits selbst erledigen kann bzw. könnte. Ihre Zurückhaltung bewirkt, dass Ihr Partner rasch selbständig und selbstbewusst wird.

7. Überlegen Sie, ob Sie Ihrem Partner durch Ihre Unterstützung wirklich helfen, angstfreier und eigenständiger zu werden oder ob Sie damit nicht eher seine Bequemlichkeit unterstützen. Ist es wirklich Angst, wenn Ihr Partner nicht mit dem öffentlichen Verkehrsmittel in die Arbeit fahren kann oder ist es einfach nur bequemer, von Ihnen mit dem eigenen Auto dorthin gebracht zu werden? Nicht alles, was man nicht allein tun möchte, hängt mit Angst zusammen. Im Rahmen der Angstzustände hat Ihr Partner oft nur gelernt, dass es einfach und angenehm ist, sich auf die Hilfe anderer verlassen zu können.

8. Fragen Sie Ihren Partner, wo er zur besseren Angstbewältigung Ihre Hilfe wünscht (z.B. Begleitung in anfangs allein nicht bewältigbar erscheinenden Situationen) und überlegen Sie gemeinsam, wo dies eher schädlich wäre (z.B. Begleitung in Situationen, wo Ihr Partner zwar ein ungutes Gefühl hat, jedoch bereits auf Bewältigungserfolge zurückblicken kann).

9. Selbst wenn Sie gemeinsame Übungen planen, überlegen Sie, wie Ihr Partner dabei zumindest zeitweise allein üben kann (z.B. allein in das gefürchtete Geschäft hineingehen; gemeinsame Fahrt mit einem öffentlichen Verkehrsmittel, jedoch ohne Nebeneinandersitzen; im Kino ebenfalls getrennt voneinander sitzen; eine Viertelstunde vor Ihnen allein in ein Lokal gehen).

10. Sagen Sie Ihrem agoraphobischen Partner nicht, was sie tun soll, sondern unterstützen und ermutigen Sie ihn bei der Erreichung der selbst gesteckten Ziele. Kontrollieren und diktieren Sie Ihren Partner nicht, sondern bieten Sie Hilfe zur Selbsthilfe im gewünschten Ausmaß an.

11. Schlagen Sie spontan gemeinsame Aktivitäten ohne lange vorherige Planungen vor, weil dadurch rasch Erfolgserlebnisse vermittelt werden können. Lange Planungen verstärken nur die Erwartungsängste und die Vermeidungstendenz Ihres Partners, weil sie viel Zeit zum Nachdenken hat.

12. Achten Sie darauf, dass Ihr Partner angstmachende Situationen möglichst oft auch ohne Ihre Begleitung aufsucht und bei Angst vor dem Alleinsein zu Hause in zunehmendem Ausmaß allein in der Wohnung verbleibt. Vereinbaren Sie, wann und wie oft Ihr Partner mit Ihnen telefonischen Kontakt aufnehmen darf, um der Gefahr vorzubeugen, ständig angerufen zu werden, weil Ihr Partner das zeitweise Alleinsein nicht ertragen kann.

13. Wenn Ihr Partner bei Aktivitäten in Ihrer Anwesenheit eine Panikattacke bekommt, ermutigen Sie ihn, die angstbesetzte Situation nicht zu verlassen, bevor die Angst abgeklungen ist. Bringen Sie Ihren Partner weder nach Hause noch zu einem Arzt oder in ein Krankenhaus, sondern ermutigen Sie ihn durchzuhalten, bis der Anfall vorbei ist, ohne dass eine Flucht aus der jeweiligen Situation erfolgt. Ermutigen Sie ihn, höchstens ein wenig Luftschnappen zu gehen und dann wieder gestärkt in die angstmachende Situation zurückzukommen, um das Erfolgserlebnis des Durchhaltens genießen zu lernen. Fragen Sie Ihren Partner in dieser Zeit nicht ständig nach seinem Befinden, weil Sie ihn dadurch auf ihre Symptomatik fixieren, sondern lassen Sie ihn etwas in Ruhe oder suchen Sie nach Ablenkungsmöglichkeiten (z.B. ein anderes Gesprächsthema).

14. Ermutigen Sie Ihren Partner, zu seinen Ängsten zu stehen und diese öffentlich bekannt geben zu lernen, wenn dadurch der innere Druck und das Versteckenspielen vor der Umwelt reduziert werden können. Die Angst vor sozialer Kritik bei Bekannt werden der Ängste kann am besten durch Ihre emotionale Unterstützung überwunden werden.

Was Sie bei anderen Ängsten Ihres Partners tun können

- Wenn Ihr Partner an einer reinen Panikstörung (ohne Agoraphobie) leidet, lassen Sie Ihren Partner zeitweise auch allein. Die irrationale Angst, ohne Ihre Anwesenheit und Hilfe im Falle einer Panikattacke vielleicht sterben zu müssen, führt ansonsten zu einer immer größeren Abhängigkeit von Ihnen. Achten Sie darauf, dass Sie aus diesem Grund auch nicht jede Minute des Tages über das Telefon oder das Handy erreichbar sind. Vereinbaren Sie Zeiten, in denen Sie Ihr Partner keinesfalls anrufen soll, damit er lernt, auf sich selbst gestellt zurechtzukommen. Lassen Sie sich nicht ständig durch Anrufe bei der Arbeit stören.

- Wenn Ihr Partner unter einer Sozialphobie leidet, reduzieren Sie deswegen weder Einladungen von Bekannten und Verwandten in Ihrer Wohnung noch schränken Sie Ihre außerhäuslichen sozialen Aktivitäten ein. Laden Sie Ihren Partner immer wieder zu sozialen Aktivitäten ein, zwingen Sie ihn jedoch nicht dazu, sondern nehmen Sie alleine an den geplanten Treffen mit anderen Leuten teil.

- Wenn Ihr Partner unter einer generalisierten Angststörung mit vielen verschiedenen Ängsten leidet, sagen Sie ihm klar und bestimmt Ihre Meinung dazu, geben Sie jedoch nicht immer wieder dieselben Antworten auf die gleichen Fragen. Dies wird Sie mit der Zeit immer mehr ärgern und Ihren Partner von Ihrer Beruhigung abhängig machen. Sagen Sie Ihrem Partner z.B. "Du weißt, wenn ich Dich jetzt wieder beruhige, wird es nur so lange halten wie zuletzt. Meine Meinung kennst Du ja. Wenn Du Dich sorgst, tue etwas dagegen, reden allein hilft Dir nicht."


Autor: Dr.Hans Morschitzky

*Ich habe Dr. Morschitzkys Ratschäge hier 1:1 übernommen - mit einer kleinen Ausnahme: Alle Vorkommnisse von "Ihre Partnerin" wurden mit "Ihr Partner" ersetzt, weil das im allgemeinen Konsens beide Geschlechter bezeichnet. Dr. Morschitzky (der dazu sogar in seiner Einleitung schreibt "Die einzelnen Punkte beziehen sich auf eine angstkranke Frau. Dieselben Hinweise gelten auch für einen angstkranken Mann") und die Feministinnen dieser Welt mögen es mir verzeihen. Ich habe einfach ein Problem damit, den Text ernst zu nehmen, wenn dort ständig von meiner Partnerin die Rede ist. Außerdem geht mir das als Angehörige eines Mannes mit einer Angststörung auf die Nerven.

Dazu noch folgender Hinweis: Zwar leiden laut Statistik mehr Frauen als Männer an Angststörungen. Doch bei derartigen Erfassungen wird nicht berücksichtigt, dass viele Männer mit Ängsten diese oft in Alkohol zu ertränken versuchen und sich nicht in Therapie begeben - und somit aus der Erfassung herausfallen.